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Kirchengesetz
über den Dienst von ehrenamtlichen
Lektoren und Lektorinnen in der
Evangelisch-reformierten Kirche
(Synode evangelisch-reformierter Kirchen
in Bayern und Nordwestdeutschland)
(Lektoren-Ordnung)

vom 26. April 2002

(GVBl. Bd. 18 S. 64)

Die Gesamtsynode hat das folgende Kirchengesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:
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Präambel

Der Auftrag zur Verkündigung des Wortes Gottes ist der ganzen Gemeinde gegeben. Sie soll Gemeindeglieder, denen die Gabe der öffentlichen Wortverkündigung gegeben ist, in Dienst nehmen und sie nach Maßgabe dieses Kirchengesetzes als Lektoren oder Lektorinnen beauftragen.
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§ 1
Voraussetzungen

( 1 ) Geeignete Gemeindeglieder können auf Vorschlag des Kirchenrats/Presbyteriums ihrer Kirchengemeinde durch Beschluss des Moderamens der Synode als ehrenamtliche Lektoren oder Lektorinnen beauftragt werden.
( 2 ) Ein Gemeindeglied ist für die Beauftragung als Lektor oder Lektorin geeignet, wenn
  1. es in der Kirchengemeinde, der es angehört, für das Ältestenamt wählbar ist,
  2. es sich in der Mitarbeit in der Kirchengemeinde bewährt hat,
  3. es bereit ist, sich der Zurüstung für den Dienst zu unterziehen,
  4. dargetan ist, dass dieser Dienst nicht dazu dienen darf, den Lebensunterhalt damit zu verdienen.
( 3 ) Der Auftrag zum Lektorendienst beschränkt sich grundsätzlich auf die Kirchengemeinde, welcher der Lektor oder die Lektorin angehört.
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§ 2
Dienst

1 Der Dienst des Lektors oder der Lektorin umfasst das Halten eines Gottesdienstes (ohne Taufe und Abendmahl) unter Verwendung einer Lesepredigt. 2 Dabei darf eine vom Kirchenrat/Presbyterium zugelassene vorliegende Lesepredigt, unter dem Aspekt der Aktualisierung und des Gemeindebezugs, in eigene Worte umformuliert werden. 3 In Ausnahmefällen kann eine selbst formulierte Predigt gehalten werden, die im Gespräch mit dem zuständigen Pfarrstelleninhaber oder der zuständigen Pfarrstelleninhaberin erarbeitet wurde.
4 Die Verantwortlichkeiten des Kirchenrats/Presbyteriums bleiben unberührt.
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§ 3
Zurüstung

( 1 ) Der Kirchenrat/Das Presbyterium benennt dem Moderamen der Synode das Gemeindeglied, das die Voraussetzungen nach § 1 erfüllt und bereit ist, die Pflichten eines Lektors oder einer Lektorin zu übernehmen.
( 2 ) Die Zurüstung erstreckt sich auf die Bereiche:
  1. Einführung in die Bibel
  2. Reformierte Liturgie
  3. Sprech- und Sprachschulung
  4. Umgang mit vorliegenden Lesepredigten
( 3 ) Der Präses oder die Frau Präses der Synode beauftragt eine geeignete Person mit der Zurüstung für den Lektorendienst.
( 4 ) Der Präses oder die Frau Präses der Synode oder sein oder ihr Stellvertreter oder Stellvertreterin stellt auf Grund eines von dem Bewerber oder der Bewerberin zu haltenden Gottesdienstes fest, ob die Befähigung zum Lektorendienst ausgesprochen werden kann und teilt dies dem Moderamen der Synode mit.
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§ 4
Beauftragung

( 1 ) Das Moderamen der Synode spricht nach Feststellung der Befähigung die Beauftragung zum ehrenamtlichen Lektorendienst aus und stellt eine Urkunde aus, die in einem Gottesdienst in der Kirchengemeinde ausgehändigt wird.
( 2 ) Der Kirchenrat/Das Presbyterium und der Synodalrat erhalten je eine Ausfertigung der Urkunde.
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§ 5
Sonstiges

( 1 ) Die Lektoren und Lektorinnen werden zu den Aus- und Fortbildungsveranstaltungen der Ältestenprediger und Altestenpredigerinnen eingeladen.
( 2 ) Der Ausschuss für Ältestenprediger und Altestenpredigerinnen nimmt die Belange der Lektoren und Lektorinnen wahr; ein Lektor oder eine Lektorin kann vom Moderamen der Gesamtsynode in den Ausschuss für Ältestenprediger und Altestenpredigerinnen berufen werden.
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§ 6
Überleitungsbestimmungen

Lektoren und Lektorinnen, die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes in ihrer Kirchengemeinde Dienst verrichten, werden zum ehrenamtlichen Lektorendienst nach § 4 beauftragt, sofern von der örtlichen Kirchengemeinde ein entsprechender Antrag binnen Jahresfrist gestellt wird.
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§ 7
Inkrafttreten

1 Dieses Gesetz tritt am 1. Juni 2002 in Kraft. 2 Gleichzeitig tritt die Ordnung für Lesegottesdienste in der Evangelisch-reformierten Kirche vom 11. August 1988 (Gesetz- und Verordnungsblatt Bd. 16 S. 30) außer Kraft.